Im Jahr 2009 sanken die Erzeugerpreise der pflanzlichen Erzeugung der EU auf einen Tiefstand, eine Folgeerscheinung der Finanz- und Wirtschaftskrise. Bis 2013 war eine Zunahme zu verzeichnen. Den jüngsten verfügbaren Informationen zufolge fiel der Wert der pflanzlichen Erzeugung 2014 in der EU jedoch wieder um 4,8 %. Das geht aus den Aufzeichnungen des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) hervor. Für Äpfel etwa sind die Preise in der EU von 2013- 2015 um 26 % gefallen, in Deutschland sogar um 40 %.

Wegen der reichlichen Ernten in den vergangenen Jahren in vielen Regionen der Erde, sind die internationalen Getreidemärkte sehr gut versorgt. Der Internationale Getreiderat (IGC) rechnet für 2016/17 mit der höchsten Weltgetreideernte aller Zeiten. Auch Russland erwartet einen Exportrekord bei Weizen. Für die EU geht die Europäische Kommission jedoch von einer Erntemenge aus, die deutlicher niedriger als im Vorjahr ausfällt und auch unter dem mehrjährigen Durchschnitt liegen wird.

Die deutsche Getreide- und Rapsernte fällt in diesem Jahr unterdurchschnittlich aus. In weiten Teilen des Landes gab es phasenweise zu reichliche Niederschläge. Auch in Österreich liegt die Erntemenge bei Raps unter den Erwartungen. Die Frostschäden während der Blüte waren höher als erwartet. Eine europäische Eigenversorgung mit Raps soll daher unwahrscheinlich sein.

Weizenmenge überdurchschnittlich, Qualität jedoch nicht

Die Weizenerträge sind in Österreich hingegen überdurchschnittlich, die Qualität jedoch nicht. Auch aus anderen Staaten der EU werden Qualitätsprobleme gemeldet. Die Proteinwerte sind deutlich niedriger als in den Vergleichsjahren. Die Landwirtschaftskammer Österreich rechnete in ersten Schätzungen mit einer Steigerung der Getreideernte (ohne Mais) von 2%, das sind 7% über dem Fünfjahresschnitt. Auch Rumänien und Russland berichten von einer sehr hohen und guten Produktion.

Märkte gesättigt, Konkurrenzdruck steigt

„Die reichliche Marktversorgung prägt auch die Preisentwicklung an den internationalen Märkten in den letzten Jahren. Der FAO-Index der Getreidepreise an den internationalen Märkten lag im Juli 2016 um 5,6 Prozent unter Vormonat und um 11 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Er erreichte zugleich den tiefsten Stand seit sechs Jahren“, so das deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. „Ein wichtiges Element der aktuellen EU- Agrarpolitik ist die Abkehr von der Preisstützung, die vorgenommen wurde, damit die Preise die Marktkräfte und die Angebots- und Nachfrageveränderungen genauer widerspiegeln“, so Eurostat. Das heißt, die Förderungen sollen laut Plan eingestellt werden, wer nicht konkurrenzfähig ist, wird weichen müssen.

„Agrarausblick“

„Der Agrarausblick 2016-2026“ der von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Welternährungsorganisation (FAO) herausgegeben wurde, interpretiert die Ursachen der angespannten Situation auf dem Agrarmarkt folgendermaßen: „Die Preise für die wichtigsten Anbaukulturen, tierischen Erzeugnisse und Fischprodukte sind 2015 zurückgegangen, was darauf hindeutet, dass die Ära der hohen Preise sehr wahrscheinlich in allen Teilsektoren vorüber ist. Die Hauptfaktoren für die gesunkenen Preise sind mehrere Jahre kräftigen Angebotswachstums, die Abschwächung des Nachfragewachstums infolge des allgemeinen Konjunkturabschwungs, die niedrigeren Ölpreise und die weitere Erhöhung bereits sehr großer Lagerbestände.“ Zukünftig rechnet die OECD/FAO damit, dass die Nachfrage nach Nahrungsmitteln sich nach und nach verlangsamen wird. Das Bevölkerungswachstum, die Hauptursache für die steigende Nachfrage, werde nachlassen. Gleichzeitig werde das Einkommen in den aufstrebenden Volkswirtschaften nur schwach anwachsen. Zudem würden Verbraucher immer weniger dazu bereit sein, für den Konsum von Grundnahrungsmitteln, ihre Einkommenszuwächse auszugeben. Angesichts der Tatsache, dass relativ wenige Länder über reichlich natürliche Ressourcen verfügen, wird dem Handel für die globale Ernährungssicherheit eine wichtigere Rolle zukommen. Zeitpunkt und Umfang des Bestandsabbaus würden jedoch eine wesentliche Unsicherheit für die Projektionen darstellen.

Problematische Entwicklung

Für die Zukunft der Landwirtschaft stellt der „Agrarausblick 2016-2026“ eine problematische Entwicklung für nationale Agrarmärkte in Aussicht. Mit dem Strom zu schwimmen und zu hoffen, dass alles wieder gut wird, könnte unser Land nachhaltig verändern. TTIP und CETA stehen vor unserer Tür. Es liegt an uns, endlich zu sagen wohin wir gehen wollen, welche Türe wir öffnen und welche wir zustoßen!