Wir Bauern erleben seit Jahrzehnten, dass wir immer rechtloser werden. Wir bekommen immer weniger Geld für unsere Erzeugnisse und werden immer abhängiger von Subventionen, die uns als Almosen dargeboten werden. Da kaum noch ein Betrieb ohne Ausgleichszahlungen überlebensfähig ist, befinden wir uns im Würgegriff der Politik.

Unsere Eigentums- und Nutzungsrechte an Äckern, Wiesen oder Vieh werden immer weiter eingeschränkt. Ständig werden wir mit einer solchen Flut von Gesetzen, Verordnungen und Erlassen überrollt, dass schon lange niemand mehr in der Lage ist, die Vorschriften auch nur ansatzweise zu kennen.

Fachfremde Beamte, meist ohne jegliche praktische Erfahrung werden losgeschickt, um uns zu kontrollieren, wie man Tiere hält und wie man unser Land bewirtschaftet. Wer sich dagegen wehrt, wird zum Menschen zweiter Klasse. Wer glaubt, alles was wir jetzt erleben, seien nur die Auswüchse der letzten Jahre und nach den nächsten Wahlen würde sich die Politik wieder für uns einsetzen, hat ein kurzes Gedächtnis!

Die Geschichte der Landwirtschaft in den letzten sechzig Jahren ist eine Geschichte der systematischen Zerstörung. Die Lösungen, die der Staat für die Landwirtschaft ausgibt, wechseln zwar alle paar Jahre, das Ergebnis bleibt aber immer dasselbe – ruinierte Betriebe!

Ewiges Wachstum?

Man predigte uns, „Wachsen oder Weichen“. Nun sind viele der Betriebe kaputt, dem Rest, der übrig geblieben ist, müsste es prächtig gehen, wenn man der ÖVP nur glauben könnte. Die Realität ist allerdings eine andere! Wir haben alles gemacht, was dieser Staat und seine Beamten von uns verlangten: Wir arbeiten deutlich länger und härter als andere Berufsgruppen und haben uns oft hoch verschuldet, um die notwendigen Investitionen zu finanzieren. Trotzdem stehen viele mit dem Rücken an der Wand!

Wir sind den Forderungen der Politik nachgekommen und haben in größere Einheiten investiert. Wir füttern dort 200 Schweine, wo unsere Väter noch zwanzig Schweine hielten, weil man dies von uns verlangte. Wir halten dort 100 Kühe, wo man früher zwanzig Kühe hielt. Haben wir deswegen heute mehr Geld? Nein, für unsere Produkte bekommen wir heute weniger Geld als vor sechzig Jahren und diejenigen, die das Kilo Fleisch für drei Euro haben wollen, werfen uns vor, dass wir Massentierhalter seien, welche die Tiere aus Selbstsucht quälen und die Umwelt verseuchen. Neben der wirtschaftlichen Drangsalierung hat sich seit dem EU-Beitritt die Staatsbürokratie zur schärfsten Waffe gegen die Landwirtschaft entwickelt: Gesetze, Verordnungen und Erlasse werden wie am Fließband produziert. Im Grunde leben wir längst in einer Verordnungsanarchie.

Keine Rechtssicherheit

Niemand weiß mehr, was noch erlaubt ist und was nicht. Es geht soweit, dass sich Beamte weigern, verbindliche Rechtsauskünfte zu erteilen, weil sie nicht mehr wissen, welche Bestimmung gerade gültig ist. Wir aber machen unsere tägliche Arbeit und hoffen darauf, nicht aus Unwissenheit heraus gegen irgendeine unsinnige Regel zu verstoßen. Innerhalb der Landwirtschaft gibt es kein einheitliches Rechtssystem, welches uns Chancengleichheit geben würde. Wir leben zwar in einem vereinigten Europa, das vom Mittelmeer bis zum Eismeer reicht, und der größte Binnenmarkt der Welt ist. Man hat uns mit dem Versprechen gelockt, dass überall in Europa die gleichen Bestimmungen gelten würden, der Milchbauer in den anderen Ländern, die gleichen Vorschriften einzuhalten hätte wie der Milchbauer in Österreich. Aber wir wissen alle, dass dies nicht so ist! Familien zerbrechen unter dem Druck, den der Staat durch seine Politik ausübt. Aber es gibt Bauern, die erkennen, dass es so nicht weitergehen kann. Sie erkennen ebenso, dass es schon lange nicht mehr darauf ankommt, hunderte Kilo an Getreide mehr zu ernten oder ob das Schwein einen Tag früher schlachtreif ist oder wie die Kuh noch mehr Milch gibt. Der Mehrertrag geht ohnehin durch einen schlechteren Preis verloren.

Jetzt umdenken

Wir müssen beginnen umzudenken und anders zu wählen. Wir können wählen zwischen der modernen Leibeigenschaft, in der wir zurzeit leben, oder wir können den politischen Kampf um unsere Freiheit und Gleichberechtigung wählen. Eine andere Wahl haben wir nicht! Wenn wir dies erkennen, wenn wir den Kampf nicht scheuen, dann gibt es vielleicht irgendwann wieder freie Bauern in Österreich.