Mit schlagkräftigen Mitteln machen die französischen Landwirte seit Jahren auf ihre desolate Lage aufmerksam. Sie blockieren Supermärkte und Einzelhandelslager oder sperren Straßen und Autobahnen mit ihren Traktoren. 2014 wurde ein Regierungsgebäude mit Gülle besprüht. Die Botschaft: „Wenn technokratischer Mist steuerpflichtig wäre, würde der Staat sich selbst finanzieren können.“

Frankreich ist das größte Land in der EU und weist mit 27,74 Millionen ha auch die größte landwirtschaftlich genutzte Fläche auf (Österreich: 2,73 Millionen ha). In den letzten zwanzig Jahren soll sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe halbiert haben, schreibt die Französische Botschaft in Deutschland. Immer seltener werden auch Familienbetriebe, die Entwicklung von Gesellschaftsunternehmen mit mehreren Teilhabern schreitet im Gegensatz dazu rasant voran. Laut Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, gab es 2013 noch 472.210 landwirtschaftliche Betriebe. Von 2005 bis 2013 haben in Frankreich 94.930 Bauern die Wirtschaft eingestellt, durchschnittlich haben somit 32,5 Höfe pro Tag für immer zugesperrt. Im Vergleich zu einem österreichischen Betrieb ist ein französischer, mit durchschnittlich 58,7 ha (von 2003-2013 um 30 Prozent gestiegen), dreimal so groß – die Probleme sind dieselben!

„Ich habe eine Schweinemast übernommen, aus Liebe zum Beruf. Heute aber riskiere ich damit, meine Familie zu ruinieren. So kann es einfach nicht weitergehen!“ „Meinen Bruder in einer so verzweifelten Lage zu sehen, das macht mich fertig. Ich bin bereit, für seine Rettung weiter zu kämpfen,“ so Dominique Roger, französischer Bauer, und seine Schwester Marie-Christine im Interview mit dem Deutschlandfunk (März 2016).

Die Situation der französischen Bauern, wie ihrer Kollegen in der gesamten EU, ist angespannt. Der Soziologe Pierre Bitoun, vom nationalen Institut für Agrarforschung INRA, beschreibt die Situation folgendermaßen: „Die modernen Gesellschaften haben ihre Bauern geopfert und die Bauern haben sich aufgeopfert.“ Besonders erschreckend ist die hohe Selbstmordrate der französischen Bauern: „732 haben sich vergangenes Jahr das Leben genommen“, erklärt Dominik Pipet, Bauer und Rinderzüchter, in einem Gespräch mit der „Welt“ im April diesen Jahres.

Eine Renationalisierung ist für viele französischen Bauern die einzige Lösung. Auf der größten französischen Landwirtschaftsmesse, „Salon de l‘Agriculture“, die vom 25. Februar bis 5. März in Paris stattfand, wurde Marine Le Pen, die Präsidentschaftskandidatin des Front National, heuer mit offenen Armen empfangen. Le Pen plädiert für eine nationale Agrarpolitik, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) erklärt sie für gescheitert. Sie empfiehlt den Franzosen mehr französische Produkte zu konsumieren, strikte Kennzeichnungsregeln sollen deshalb heimische Qualität für den Konsumenten klar ersichtlich machen. Dem Agrarischen Informationszentrum ist zu entnehmen, dass der Front National weiters eine industrielle Landwirtschaft mit 1.000 Rindern und mehr ablehnt und auch Importe, die nicht den französischen Umwelt- und Sozialstandards entsprechen, sollen verboten werden. Die Handelsabkommen mit Kanada, den USA, Japan, Neuseeland und Australien lehnt Marien Le Pen ebenso ab, wie gentechnisch veränderte Organismen.