Mit einem Auftritt als Pizzabote wollte Bundeskanzler Christian Kern die Österreicher überzeugen. In einem SPÖ-Video ist zu sehen, wie er Pizzen an vorgeblich „spontan“ ausgesuchte Wiener Bürger ausliefert. Doch das Video geriet zum Mega-Flop.

Schnell kamen peinliche Fakten ans Tageslicht. Zuerst deckte die OÖ-Zeitung „Wochenblick“ noch am Tag der Veröffentlichung des Videos auf, dass Kern bereits sein erstes „Bürgergespräch“ mit Ralf Tatto, einem PR-Mitarbeiter des SPÖ-geführten Sozialministeriums geführt hat. Besonders unangenehm für den jetzt im Internet gern „Pizza-Kanzler“ genannten Kern: Es tauchten zudem Belege auf, aus denen hervorging, dass Tatto selbst als SPÖ-Funktionär tätig war und sogar für die Sozialdemokraten bei einer Wahl zur Bezirksvertretung in Wien kandidiert hatte. Bekannte Medien thematisierten die PR-Panne wenig später. So titelte die „Krone“: „Nette Idee, aber Kerns Pizzen riechen nach Fake“. Das Netz-Portal „oe24.at“ stellte die Frage, ob es sich beim Auftritt Kerns lediglich um vorgetäuschte Bürgernähe handle. Für das Werbevideo der SPÖ erntete Kern im Internet reichlich Spott. Zahlreiche Nutzer bemängelten unter anderem, dass sich obdachlose Österreicher im Vergleich zu einem gut bezahlten Regierungsmitarbeiter wesentlich mehr über die Aufmerksamkeit sowie die Pizzen gefreut hätten.

Parlament befasst sich mit dem Fall

Die große PR-Panne könnte nun auch ein für Kern sehr heikles juristisches Nachspiel haben: Denn der Kanzler musste inzwischen eingestehen, dass die Pizzen mit seinem Dienstwagen ausgeliefert wurden. Zwar ist dies unter Umständen zulässig, doch bei einer Inanspruchnahme des staatlich angestellten und finanzierten Chauffeurs könnte dies sogar zur Amtsenthebung führen. Das Parlament befasst sich nun mit dem Fall.