Eine britische Studie empfiehlt die Einführung einer Fleischsteuer, um den Ausstoß von CO2 zu verringern. Marco Springmann von der Oxford-Universität und ein Team des „Oxford Martin Programme on the Future of Food“ diskutieren in ihrer Studie dazu verschiedene Steuermodelle. Die Nahrungsmittelproduktion verursache weltweit insgesamt rund ein Viertel der CO2-Emissionen, der Großteil entstehe durch Nutztierhaltung.

Weniger Fleischkonsum nütze der Gesundheit und auch dem Klimaschutz, meint auch die WWF-Referentin Tanja Dräger de Teran. Ihrer Ansicht nach müsste jetzt auch die Politik das Thema anpacken. „Um die Produktion von Billigfleisch zu reduzieren, sollte die Regierung eine Abgabe für Landwirte auf Stickstoffüberschüsse prüfen, einen sogenannten Gülle-Euro“, meint sie.

Zu viel Gülle auf den Feldern führe zur Übersättigung der Böden mit Nährstoffen und verschlechtere die Wasserqualität. Der hohe Fleischkonsum in Europa und der nötige Sojaverbrauch für Tierfutter beschleunigten den Ausstoß von Treibhausgasen.

Vorgaben für die Tierhaltung

Nötig seien schärfere gesetzliche Vorgaben für die Tierhaltung, betonte Dräger de Teran. Dies sei aber nicht zum Nulltarif zu haben. Die Preise für Fleischprodukte müssten die soziale und ökologische Wirklichkeit widerspiegeln. Zudem regt die WWF-Mitarbeiterin an, dass zumindest staatlich betriebenen Kantinen vorgeschrieben werden sollte, fleischarm zu kochen. „Auch könnten die Regierungen Informationskampagnen starten, um den Fleischverzehr zu drosseln“, sagte sie.

Die Idee einer Besteuerung von Fleisch- und Milchprodukten führte in Österreich zu umgehender Kritik. Bäuerliche Interessenvertreter stellten sogleich klar, dass es bei der österreichischen Produktionsweise in der Milch- und Fleischproduktion die niedrigsten Treibhausgasemissionen im EU-Vergleich gäbe. Die Einführung einer Fleischsteuer belaste lediglich die Landwirte und sorge dafür, dass noch mehr Bauern ihre Betriebe aufgeben müssten. Ob der durchschnittliche Pro-Kopf-Fleischverbrauch von 68 Kilo pro Jahr durch eine Fleischsteuer wirklich verringert würde, sehen Bauernvertreter eher skeptisch. Bei Lebensmitteln wird bisher ein Steuersatz von zehn Prozent angesetzt.

Franz Sinabell, Agrarexperte beim Wirtschaftsforschungsinstitut kritisiert die Pläne einer Fleischsteuer ebenfalls und befürchtet das Ausweichen der Konsumenten auf Selbstimporte oder billigeres Fleisch aus dem Ausland. Die Entwicklung sei bereits in der Schweiz zu beobachten, wo das Preisniveau viel höher als im EU-Umland ist. „Eine solche Steuererhöhung kann in einem großen Staat wie Deutschland funktionieren, kaum aber in einem kleinen Land“, so Sinabell.

Methangas

Die Emissionen von Methangas sind laut Landwirtschaftskammer seit 1990 zudem um 15,7 Prozent zurück gegangen, was mit dem verringerten Rinderbestand zu tun habe. Gleichzeitig schneidet Österreich wegen der vermehrten Grasfütterung auf den Almen im Gegensatz zur Stallhaltung besser ab beim Ausstoß von Treibhausgasen. Laut Studie vom „Joint Resarch Centre“ werden im Durchschnitt der EU-Staaten bei der Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch 22 kg Kohlendioxidäquivalent (CO) frei, in Österreich jedoch nur 14,2 kg. Dies sei der niedrigste Wert in der EU.