Experten der Bundesforschungsanstalt für Wald (BFW) gehen davon aus, dass die heimischen Eschenbestände weiter stark schrumpfen werden. Der Grund: Seit etwa 1992 breitet sich ein Pilz mit dem Namen „Falsches Weißes Stängelbecherchen“ (Hymenoscyphus fraxineus) von Ostasien nach Europa aus.

Er lässt innerhalb weniger Jahre Äste und Zweige in den Eschenkronen absterben und schädigt die Rinde. Der Baum stirbt und über die toten Blätter, die zu Boden fallen, verbreiten sich die Sporen des Pilzes mit dem Wind weiter. Erste Anzeichen des Eschentriebsterbens sind unregelmäßige Farbveränderungen an den Blattspreiten. Später werden braune Rindennekrosen an den Trieben sichtbar, die im unbelaubten Zustand sehr deutlich zu erkennen sind.

Triebumfassende Rindennekrosen unterbrechen die Wasserversorgung des Astes, so dass Pflanzenteile oberhalb der Nekrose welken und absterben. Die so geschwächten Bäume werden anfälliger für sekundäre Schadorganismen, wie Hallimasch und Eschenbastkäfer. Zusätzlich faulen die Wurzeln unmittelbar am Stamm ab, sodass der Baum den Halt verliert und schnell umfallen kann – eine große Gefahr für Spaziergeher vor allem, wenn Schnee oder Wind die Bäume zusätzlich belastet.

In den Auwäldern entlang der Donau etwa in Niederösterreich mussten daher heuer schon etliche Waldstücke gesperrt werden. Waldbesitzer kontrollieren ihre Eschenbestände daher inzwischen regelmäßig, um Gefahren für Waldbesucher zu minimieren.

Auswirkungen auf das Ökosystem

Für die Forstwirtschaft ist der Rückgang der Esche ebenfalls deutlich spürbar. Die Esche wird vor allem in der Möbel­industrie nachgefragt. Doch auch die Auswirkungen auf das Ökosystem sind nicht zu unterschätzen: Die Esche leistet einen wichtigen Beitrag zur Stabilität von Laubwaldbeständen. Forscher setzen ihre Hoffnung nun in die gegen den Pilz immunen Individuen. Bis zu drei Prozent der Bäume weisen nämlich keine oder nur geringe Schädigungen auf. Die Forscher gehen also davon aus, dass manche Eschen eine genetisch bedingte Resistenz aufweisen. Diese Eschen kommen aber nur vereinzelt vor und sollen daher etwa in den Versuchsgärten in Tulln (NÖ) gezielt vermehrt werden.

Auch über die Einführung von ostasiatischen immunen Eschen wird nachgedacht. Thomas Cech vom BFW sagte in einem Interview mit dem ORF: „Diese Bäume sind kaum beeinträchtigt. Der Pilz, der in Europa ganze Bäume tötet, lässt beim asiatischen Pendant vielleicht ein paar Blätter braun werden.“ Dabei schätzt Cech, dass die heimischen Eschenbestände auf bis zu zehn Prozent des jetzigen Bestandes zurückgehen könnten. Das entspreche aber vermutlich dem natürlichen Bestand, denn die Esche sei in den 1950er und 1960er Jahren stark aufgeforstet worden – und das auch an Standorten, die nicht geeignet seien. Das würde sich jetzt rächen.