Hohe Wellen in den sozialen Netzwerken schlug kürzlich das Video eines erbosten Gurkenbauern aus Segnitz im Landkreis Kitzingen (D), der sein Ware nicht mehr einzeln in Plastikfolie verpacken wollte. Der Handel weigerte sich daraufhin, seine Ware abzunehmen. Der Bauer pflügte einen Teil seiner hochwertigen Ware unter und verkaufte den Rest seiner Ernte um 10 Euro pro Kilo.

In dem Video zu dem „Gurkenprotest“, das mittlerweile über zwei Millionen mal angesehen wurde, heißt es: „Die großen, bekannten Handelsketten wollen nur noch in Plastikfolie verpackte Gurken annehmen. Deshalb werden in Segnitz in Unterfranken diese Minigurken in Top-Qualität vernichtet.“

Tatsächlich nimmt der Verpackungswahn im Handel immer mehr zu. Immer wieder werden auch in sozialen Netzwerken Bilder aus dem Handel geteilt, auf denen etwa geschälte Ananas oder Orangenstücke verzehrfertig in Plastikverpackung gezeigt werden. Kritiker befürchten, dass durch den sorglosen Umgang mit Plastikverpackungen der Müllberg immer weiter ansteigt.

Vertreter des Handels wehren sich: Eine Plastikverpackung schütze Bio-Gurken beim Transport und halte sie länger frisch, schreiben etwa die deutschen Handelsketten Aldi, Edeka und Rewe auf Anfrage des Norddeutschen Rundfunks. „In vielen Märkten verkauft sich abgepackte Ware deutlich besser als lose Ware“, schreibt Edeka. Auch der Schutz vor Kontamination durch konventionell hergestellte Ware sei ein Argument, Bio-Ware abzupacken. Durch eine Änderung der Regale im Handel ließe sich dieses Argument leicht ausschalten. Beim Kaufverhalten kommt es wieder einmal auf den Konsumenten an. Den Druck, der durch den Käufer auf den Handel ausgelöst wird, wird oft unterschätzt. Dem Bauern aus Segnitz wird das nichts mehr helfen: Er kündigte an, die Gurkenproduktion notfalls einzustellen, sollte der Handel weiter an Plastikverpackungen für seine Gurken festhalten.