Ab 2018 ist der Pflanzenschutz auf ökologischen Vorrangflächen verboten, das EU-Parlament hat entschieden! 363 von 673 Abgeordneten stimmten gegen den Vorschlag der EU-Kommission, 13 Stimmen zu wenig um die notwendige Mehrheit zu erreichen. Der EU-Landwirtschaftsausschuss hatte das Papier, aus der Feder von Agrarkommissar Hogan, zuvor abgelehnt.

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) hat sich seit ihrer Gründung „weiterentwickelt“. Die Direktzahlungen wurden immer mehr an die Erfüllung strenger Standards in Bezug auf die Lebensmittelsicherheit, Umwelt- und Tierschutz geknüpft. Seit 2014 setzt sich die neue Flächenprämie aus Zahlungsanspruch und der neuen „Greening-Prämie“, für Ökologisierungsleistungen, zusammen. So müssen mindestens fünf Prozent der Ackerfläche (ab 15 ha) als „ökologische Vorrangflächen“ ausgewiesen werden, bei denen genaue Vorgaben der Bewirtschaftung zu erfüllen sind. Hält der Landwirt die Voraussetzungen nicht ein, gibt’s kein Geld! Da der Anbau von Leguminosen, auf diesen Flächen, dem „Greening“ entspricht, hat sich das beispielsweise positiv auf die Produktion von Soja ausgewirkt. Die Steigerung der Eiweißpflanzen-Produktion in Europa war auch eines der ursprünglichen Ziele dieser Maßnahme. Zur Halbzeit sollte evaluiert werden. Das ist nun geschehen und es wurde eine Richtungsänderung um 180 Grad beschlossen, denn ohne Pflanzenschutz ist die extrem konkurrenzschwache Sojapflanze in den meisten Lagen nur schwer zu kultivieren.

Hogen‘sche Richtungsentscheidung

Welche Auswirkungen hat diese Hogen‘sche Richtungsentscheidung? Ein Kritikpunkt am vorgelegten Papier seitens der Parlamentarier war, dass dadurch die Europäische Proteinstrategie gefährdet wird, da Europa bereits stark auf Eiweißeinfuhren angewiesen ist. Auch die Tatsache, dass die EU-Kommission 14 Ermächtigungen in dieser Vorlage bündelte und somit das Parlament gezwungen wurde, das gesamte Paket entweder anzunehmen oder abzulehnen, war für MEP Franz Obermayr und seine Kollegen Grund genug, dieses abzulehnen.

NGOs und Gentechnik

Doch was hat das Pflanzenschutzverbot mit NGOs (Nichtregierungsorganisationen), geschweige denn mit GVO-Soja zu tun? „Etwa 70 Prozent des Bedarfs an Eiweißfuttermitteln wird derzeit durch Sojabohnen und Sojaschrot – v.a. aus Brasilien, Argentinien und den USA – gedeckt“, schreibt das „Ökosoziale Forum“ in einem Bericht zum Thema „Eiweißlücke & Tierernährung“ (Juni 2017). Etwa 80 Prozent der weltweiten Sojaproduktion ist gentechnisch verändert. „Die Gesellschaft will weniger GVO-Soja aus Übersee, mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Wenn man den Eiweißpflanzen-Anbau nun so massiv sabotiert, kann man sich künftig millionenschwere Forschung zum Schließen der Eiweißlücke sparen“, so Christian Krumphuber, Leiter der Abteilung Pflanzenproduktion der LK OÖ, der das Verbot „getrieben vom Lobbying der Umwelt-NGOs“ sieht. Laut Statistik Austria wurden im Jahr 1990 in Österreich 17.658 Tonnen Sojabohnen produziert. Im Jahr 2015 waren es 152.599 Tonnen, eine Steigerung um 764,2 Prozent. „Von 2016-2017 ist der Sojaanbau um fast ein Drittel gestiegen. Die Sojabohne hat mittlerweile einen großen Stellenwert in Österreich. Relativ zur Ackerfläche gibt es in der EU kein Land, das ähnlich viel Soja produziert. Dass das Verbot, der Idee der Förderung des Leguminosenanbaus und der Eiweißproduktion in Europa nicht gut tut, davon ist jedenfalls auszugehen“, so Krumphuber im Gespräch mit „Der freie Bauer“.

Forderung von Umweltschutzorganisationen

Fakt ist auch, dass das Pflanzenschutzverbot massiv von den Umweltorganisationen gefordert wurde. Ironischerweise äußerte sich der Gentechnik-Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Harald Ebner erfreut über die Annahme des Hogen’schen Verbesserungspaketes: Das Europaparlament habe ein „klares Signal für Natur, Umwelt und Vernunft gesetzt“, teilte dieser mit.

Bodenerosion

„Das gesamte Thema Pflanzenschutz, der Zusammenhang, beispielsweise mit der Bodenerosion, speziell in feuchten Gebieten, ist in Wirklichkeit sehr komplex. Bei der Argumentation des Verbots, wird allerdings sehr einfach argumentiert. Positive Effekte wurden von den NGOs entweder gar nicht genannt, völlig unter den Tisch gekehrt, oder man wollte sie einfach nicht sehen. Medial verstehen sie das Klavier zu spielen, das muss man neidlos anerkennen“, so Krumphuber. Themen wie die Rodung des Regenwaldes, gentechnisch veränderte Pflanzen oder Bodenschutz scheinen zur Zeit auf der Prioritätenliste der NGOs nicht weit oben zu stehen, aus welchen Gründen auch immer. Die Verhandlungen zur GAP-2020 scheinen unter keinem guten Stern zu stehen!