Die Zahlen sind besorgniserregend: Immer mehr vor allem junge und gut ausgebildete Menschen zwischen 15 und 35 Jahren verlassen den ländlichen Raum in Oberösterreich und wandern in den Zentralraum ab. Obwohl unser Land in den vergangenen 15 Jahren um 100.000 Einwohner gewachsen ist, hat aber mehr als jede dritte Gemeinde im selben Zeitraum Einwohner verloren.

Vor allem Bezirke im Norden und Süden sind betroffen. Trauriger Spitzenreiter ist Hallstatt mit einem Bevölkerungsverlust von 14,6 Prozent in den letzten zehn Jahren. Aber auch Engelhartszell (- 11,6 %) und Schwarzenberg am Böhmerwald (-13,1 %) verloren viele Einwohner.

Die Gründe sind vielfältig und verlangen nach Lösungskonzepten auf vielen Ebenen. Wichtigste Faktoren für die Landflucht sind der Arbeitsmarkt und die Infrastruktur. Dabei zählt nicht nur die Anzahl an Arbeitsplätzen, sondern auch ein vielfältiges Berufsangebot. Vor allem Frauen verlassen den ländlichen Raum, weshalb hier ein besonderes Augenmerk gelegt werden müsste. Bei der steigenden Zahl an Akademikern wird es zusätzlich immer schwieriger, adäquate Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu finden. Bei der Infrastruktur gehen die Ansprüche von der ärztlichen Versorgung über das Angebot an Schulen und Einkaufsmöglichkeiten bis zur Anbindung an das schnelle Internet.

Auch das Dorf- und Vereinsleben sorgt für den Wohlfühlfaktor am Land. Je vielfältiger das Vereinsleben – und damit die Einbindung der jungen Menschen in die Dorfgemeinschaft – desto mehr steigt das Bedürfnis, im ländlichen Raum zu verbleiben. Gleiches gilt etwa für Jugendtreffs und Wirtshäuser. Besonders hier gilt es einen Teufelskreis zu durchbrechen: durch das anhaltende Wirtesterben sind auch Orte der Gemeinschaft und Geselligkeit gefährdet. Das Dorfleben verflacht und besonders Gemeinden in der Peripherie der Ballungsräume werden zu reinen „Schlaf- und Pendlerorten“.