Erst kam der Borkenkäfer, danach der August-Sturm. Die heimischen Waldbesitzer wissen nicht mehr, wohin mit den angefallenen Mengen an Schadholz. Schätzungen bis Jahresende gehen von etwa 700.000 Festmetern in Oberösterreich aus. Kritik am derzeitigen Katastrophenmanagement der Forstbehörden und an der Politik steigt.

Zunächst sah es so aus, als ob die Zusammenarbeit zwischen den heimischen Forstbehörden und den Waldbesitzern die heurige Borkenkäferzeit einigermaßen bewältigen könnten. So wurde im Juli insgesamt 200.000 Festmeter Käferholz aus den Wäldern gebracht, um das zunehmende Übergreifen des Schädlings auf gesunde Bestände einzudämmen.

Markt ist gesättigt

Das Sturmereignis am 18. August sorgte dann aber für einen weiteren Anfall von Schadholz im Ausmaß von etwa 130.000 Festmetern. Der ohnehin schon gesättigte Holzmarkt konnte kein weiteres Holz mehr aufnehmen. Deshalb sollte Sturmholz – trotz Käfergefahr – nicht aufgearbeitet werden, sondern die bereits befallenen Bäume zuerst geschlägert werden. Doch auch diese Strategie sorgte nicht für Entlastung, denn inzwischen sind die Holzlagerplätze in den Wäldern randvoll, die Frächter können vielerorts das Holz nicht aus dem Wald holen, weil die Sägewerke wegen der Marktsättigung kein Holz abnehmen. Die Folge: das ohnehin qualitativ geminderte Käferholz liegt zu lange und bekommt zusätzlich noch die Bläue. Auch der Hinweis des Waldbesitzerverbandes, man solle das gelagerte Holz mit Insektizid-Netzen vor weiterem Käferbefall auf den Lagerplätzen schützen, erhöht lediglich die Kosten, der Wert­erhalt werde dadurch nicht garantiert, kritisieren Betroffene. Landwirtschaftskammer, Politik und Forstbehörden reagieren höchst unterschiedlich auf diese Krise der heimischen Waldbesitzer.

Echte Katastrophe – FB kann sich Assistenzeinsatz des Bundesheers vorstellen

Während sich die politischen Verantwortungsträger in OÖ gegen eine Unterstützung der Walbesitzer, die stark von Borkenkäferbefall betroffen waren, aus dem Katastrophenfond aussprachen, fordert die Freiheitliche Bauernschaft nachdrücklich eine solche Unterstützung. „Für die betroffenen Waldbesitzer ist der starke Borkenkäferbefall durchaus eine Katastrophe, zumal wenn man bedenkt, dass durch das nicht abtransportierte Holz noch ein zusätzlicher Wertverfall eintritt“, begründet der Obmann der Freiheitlichen Bauern, Franz Graf, die Forderung. Und weiter: „Es liegen viele Vorschläge am Tisch: Auch einen Assistenzeinsatz von Pioniereinheiten des Bundesheeres zur Unterstützung der Aufarbeitung sollte angedacht werden. Das Argument der mangelnden Ausbildung kann dabei nicht zählen, denn immerhin könnten die Soldaten einfache Unterstützungsarbeiten im Forst leisten und so die Facharbeiter und den Waldbesitzer bei der Aufarbeitung unterstützen.“

Für das Sturmholz wird hingegen eine Entschädigung von bis zu 1.500 Euro pro Hektar aus dem Katastrophenfonds des Landes OÖ gewährt. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft plant zur Borkenkäferbekämpfung eine Aufstockung der Mittel zur Förderung der ländlichen Entwicklung um drei Millionen Euro auf insgesamt 18 Millionen Euro bis zum Jahr 2020. Dabei sollen Verhacken des Restholzes, maschinelles Entrinden, Forcierung der Vorlage von Fangbäumen im nächsten Frühjahr, die Errichtung von Trockenzwischenlagern und Waldumbau mit Laubholz, Tanne, Lärche und Douglasie gefördert werden. Selbst eine Änderung des höchstzulässigen Gesamtgewichtes für Holztransporte von 44 auf 50 Tonnen ist vorgesehen. Auch eine Verbringung des Schadholzes in Zwischenlager soll gefördert werden. Die Förderung für diese Verbringung durch das Land OÖ beträgt sagenhafte fünf Euro je Festmeter bis maximal 200 Festmeter.

Echte Hilfe gefragt

Kurzfristig sind aber alle diese Maßnahmen wenig wirkungsvoll, denn entweder sind sie nur lang- oder mittelfristig wirksam, vermindern den wirtschaftlichen Schaden der Waldbesitzer nur wenig, oder nützen – wie im Falle einer Heraufsetzung des höchstzulässigen Gesamtgewichtes – nichts, solange die Sägewerke die Annahme des Holzes verweigern. Gleiches gilt auch für andere Holzabnehmer. So sind etwa die Holzlager der Linz AG zur Stromerzeugung randvoll. Doch anstatt in der derzeitigen Schadholzkrise vermehrt Holz als Energieträger zu nutzen, verheizt die Linz AG derzeit aus Kostengründen lieber das günstigere Plastik zur Energiegewinnung. „Wenn alle Ebenen der Politik und Wirtschaft den Willen zur Krisenbekämpfung hätten, dann könnte man die Auswirkungen der Schad­ereignisse minimieren. Leider fehlt hier offenbar sowohl die Koordination, als auch der politische Wille“, zeigt sich Graf enttäuscht vom bisherigen Krisenmanagement.