Der „Freie Bauer“ sprach mit dem Klubobmann des oberösterreichischen FPÖ-Landtagsklubs, Herwig Mahr, über aktuelle Themen in der Landwirtschaft und die Wichtigkeit des ländlichen Raumes für unser Heimatland. Milchquote, Herkunftskennzeichnungen und Qualitätssicherung, Biogas-Förderung und Lebensmittelskandale waren dabei ebenso Thema des Gesprächs wie der persönliche Bezug zur Landwirtschaft.

 

Herr Klubobmann, Sie setzen sich für die Förderung von Biogas und alternativen Energieformen ein. Was genau sind hier die freiheitlichen Forderungen?
Auf Initiative der FPÖ OÖ wurde eine gemeinsame Resolution betreffend die Laufzeitverlängerung der Ökostromförderung für Einspeisetarife von Biogasanlagen nach Wien verabschiedet.
Der große Vorteil von Stromerzeugung aus Biogas besteht darin, dass die Ausgangsstoffe wie Gülle und organische Abfälle dauerhaft verfügbar und nicht von Witterungsbedingungen abhängig sind. Ein weiterer Vorteil ist die konstante Stromlieferung über 24 Stunden hinweg sowohl im Sommer als auch im Winter. Vor allem die innovativen Landwirte wären von einer Streichung der Biogasförderung massiv betroffen. Die FPÖ fordert weiters auch eine finanzielle Ausstiegshilfe für ineffiziente Anlagen.

Im Juni wurde die kleine Ökostromgesetz-Novelle beschlossen. Damit bekommt die Biogas-Branche zusätzlich 11,7 Mio. Euro für Nachfolgetarife mit einer Laufzeit von drei Jahren. Damit soll ein massenhafter Konkurs der Betreiber solcher Anlagen – meist Bauern – verhindert werden.
Österreich ist reich an alternativen Energiequellen, die aber noch zu wenig genutzt werden. Hier könnten viel mehr Anreize gesetzt werden, auch um die Fähigkeit zur Eigenversorgung unseres Landes zu steigern.

Klare Lebensmittelkennzeichnung

Kürzlich kam an die Öffentlichkeit, dass jede zehnte Eiprobe in Österreich das Insektengift Fipronil enthält. Damit rückte auch die Diskussion um die Lebensmittelkennzeichnung wieder in den Fokus. Welche Position vertritt die FPÖ hier?

Die FPÖ fordert, den ungehinderten Import von Käfigeiern zu unterbinden. Gemeinsam mit allen im oberösterreichischen Landtag vertretenen Parteien wurde eine diesbezügliche Initiative heuer im März nach Wien verabschiedet. Es ist bezeichnend, dass bei diesem jüngsten Lebensmittelskandal keine heimischen Eier betroffen waren.
Seit 1. Jänner 2009 ist die Käfighaltung in Österreich zur Gänze untersagt. Hier nehmen wir eine Vorreiterrolle in Sachen Tierschutz ein. In der europäischen Union ist die konventionelle Käfighaltung (Legebatterie) seit dem Jahr 2012 verboten. Aufgrund mangelnder Kontrollen und Säumigkeit einiger Mitgliedstaaten, sind nach wie vor Eier aus europäischer Käfighaltung am Markt – auch in Österreich. Bei einzelnen Eiern kann man die Herkunft und die Haltungsform anhand der Kennzeichnung nachvollziehen. Bei Produkten, in denen Eier weiterverarbeitet werden leider nicht, da es keine Kennzeichnungspflicht gibt. Dies betrifft nicht ausschließlich Eier, sondern leider auch Fleisch und Milch. Bei Lebensmitteln darf nicht „billig“ der Standard werden, sondern „gesund, gut und aus heimischer Landwirtschaft“. Das muss angestrebt und im Sinne unserer Gesundheit mehr Wert auf unsere nachhaltigen Lebensmittel gelegt werden.

Zankapfel Milchquote

Durch die Abschaffung der Milchquote kamen viele Milchbetriebe unter Druck oder mussten sogar schließen. Die Bauern haben das Gefühl, man opfere sie dem Weltmarkt…
Das ist leider kein Gefühl, sondern traurige Tatsache. Uns muss klar sein, dass unsere heimische Landwirtschaft nicht mit den großen Playern auf dem Weltmarkt preislich konkurrieren kann. Unsere Bauern bieten dafür aber eine sehr hohe Qualität an, die eben auch ihren Preis haben muss.
Die Milchpreisentwicklung ist einer der Hauptgründe für die durchaus dramatische Situation unserer Landwirte. 2015 wurde die EU-Milchquote abgeschafft, um den Milchmarkt zu deregulieren. Befürworter der Abschaffung hofften auf eine deutliche Ausweitung der Produktion und steigende Preise durch einen Anstieg der weltweiten Nachfrage. Leider war das Gegenteil der Fall. Die FPÖ fordert eine rasche Einführung einer modernen Form der Milchquote, die auf eine EU-weite Mengenregulierung abzielt.

Gibt es bei Ihnen eigentlich auch einen persönlichen Bezug zur Landwirtschaft?
Ich selbst lebe am Land und habe den direkten Kontakt zu den Menschen im ländlichen Raum. Gleichzeitig bewirtschafte ich ein kleines Stück Land und gewinne selbst ökologischen Strom mit einem eigenen Kraftwerk. Ich versuche zudem, vor allem das Verständnis für natürliche Zusammenhänge bei der Jugend wieder zu stärken. Ich denke es ist enorm wichtig, den kommenden Generationen die Wertschätzung für das, was der Bauer tut, weiter zu geben.