„Du bist was du isst!“, dieser Spruch macht unmissverständlich klar, wie wichtig die Ernährung und die Lebensmittelsicherheit für den Menschen ist. „Lebensmittel sind heute so sicher wie noch nie, trotzdem vergeht kaum ein Jahr ohne ‚Lebensmittelskandal‘“, schreibt Univ.-Doz. Dr. Ingrid Kiefer, AGES, im Journal für Ernährungsmedizin. Woran liegt das?

Glykol im Wein, BSE, Dioxin in Schweinefleisch, Gammelfleisch, melaminverseuchte Babymilch, Analogkäse, Schummelschinken, Listerienquargel, EHEC und der Pferdefleischskandal, das waren die großen Lebensmittelskandale der jüngeren Vergangenheit. Salmonellen in Fleisch und Eierspeisen oder Campylobacter in Hühnerfleisch sind hygienebedingte Gefahren, die immer wieder Todesopfer fordern. Aktuell verunsichert das „Gift-Ei“ die Konsumenten: „In 50 Proben (Anm: ca. 20 Prozent) aus dem Großhandel wurde Fipronil nachgewiesen. Die Produkte stammen aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark und Belgien. Die gemessenen Werte lagen zwischen 0,003 und 0,1 mg/kg und somit weit unter dem Wert von 1,2 mg/kg, der in Belgien gemessen wurde […]. Es besteht somit keine Gesundheitsgefahr, weder akut noch wenn belastete Produkte über einen längeren Zeitraum gegessen worden wären. Laut europäischer gesetzlicher Regelung ist ein Rückstandhöchstgehalt von 0,005 mg/kg Fipronil erlaubt. Diesen Höchstwert haben insgesamt 18 Proben überschritten. Diese Produkte dürfen somit nicht in Verkehr gebracht werden“, veröffentlichte die AGES (Stand 11.09.2017).

Insektenmittel Fipronil

Fipronil wirkt gegen Ektoparasiten wie Flöhe, Haarlinge, Tierläuse, Zecken und Milben. Die Anwendung von Fipronil bei Lebensmittel liefernden Tieren ist europaweit verboten. Der Einsatz zur Behandlung von Haustieren und als Pflanzenschutzmittel, zum Beispiel zur Drahtwurm-Bekämpfung im Kartoffelbau, war bislang nicht europaweit verboten. „Im aktuellen Fall haben viele Landwirte in Belgien und den Niederlanden und auch in Deutschland ein Mittel mit Fipronil eingesetzt, allerdings wohl ohne zu wissen, dass es das Insektenmittel illegalerweise enthält. Sie verwendeten Dega-16, ein homöopathisches Mittel aus ätherischen Ölen, das gegen die Rote Vogelmilbe helfen soll“, berichtete „agrarheute.com“. Die niederländische Reinigungsfirma Chickenfriend und die belgische Firma Poultry-Vision, die Dega-16 herstellt, stehen deshalb unter Verdacht, illegal gehandelt zu haben. Die Deutsche Presseagentur berichtete Anfang August, dass der in Verruf geratene Wirkstoff Fipronil ab Anfang Oktober nun auch nicht mehr als Pflanzenschutzmittel verwendet werden dürfe. Eine Sprecherin der EU-Kommission bestätigte, dass die entsprechende Genehmigung am 30. September auslaufe und ein Antrag auf Verlängerung sei nicht gestellt worden.

Die Rolle der Medien

„Die Medien spielen eine zentrale Rolle im Verlauf eines Lebensmittelskandals, da sie die Verbindung zwischen der technischen Verunreinigung und dem Konsumentenbewusstsein herstellen: je umfangreicher und ausdauernder die Berichterstattung, umso größer und gewichtiger wird der Skandal von der Öffentlichkeit wahrgenommen“, ist in einem Bericht des Deutschen Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zu lesen. In der Regel werde nicht länger als drei Monate über einen Skandal berichtet. „Dies legt den allgemeinen Eindruck nahe, dass sich bis auf wenige Ausnahmen das Interesse der Medien am Problem in der Wertschöpfungskette recht schnell erschöpft“, so das deutsche Ministerium. Steht’s nicht mehr in der Zeitung, ist alles wieder gut, oder doch nicht?

Immer das selbe Spiel

Was alle Lebensmittelskandale eint, ist, dass nach jedem Skandal neue Masterpläne geschmiedet und Gesetze angepasst oder erlassen werden. Nicht alle Lebensmittelskandale sind lebensgefährlich, doch alle machen dem Konsumenten Angst. Skandale würden beim Konsumenten unter anderem zu „wachsendem Misstrauen und dem Gefühl, Industrie und Handel ausgeliefert zu sein“ führen, so DI Dr. Klaus Dürrschmid, Lebensmittelforscher der Universität für Bodenkultur.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schreibt in einem Text zum Thema „Komplexität der Lebensmittelkette erhöht Gefahren für die Lebensmittelsicherheit“ folgendes: „Unsere Lebensmittelkette ist heute länger und komplexer als je zuvor, und demografische, kulturelle, ökonomische und umweltrelevante Entwicklungen – wie die Globalisierung von Handel, Reiseverkehr und Migrationsströmen, die Bevölkerungsalterung, sich verändernde Konsummuster und -gewohnheiten, […] – haben eine Erhöhung der lebensmittelbedingten Gesundheitsrisiken zur Folge.“

Die Globalisierung gefährdet demnach die Lebensmittelsicherheit! Und dennoch wird sie vorangetrieben und uns als etwas Positives verkauft. Alles Erdenkliche, unabhängig von der Jahreszeit, kann man heute in den Supermärkten kaufen. Ein Angebot jagt das andere. Die Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung haben sich zusätzlich in den vergangenen 50 Jahren stark geändert. Viele Konsumenten sind zwar gegen Massentierhaltung, bei der der Einsatz von Medikamenten und Desinfektionsmitteln unumgänglich ist, dennoch unterstützen sie diese mit dem Kauf von Billigprodukten. Außerdem greifen immer mehr Menschen auf Fertig- und Halbfertigprodukte zurück. Die genaue Herkunft der verarbeiten Produkte muss nicht angegeben werden. Obwohl der Kunde ein Interesse daran hat, wo diese Produkte ihren Ursprung haben, ist eine Kennzeichnung auf europäischer Ebene nicht erwünscht.

Mehr Transparenz gefordert

„Der Konsument hat das Recht zu wissen, woher die Produkte stammen, die er kauft. Ohne Ausnahme! Wir Freiheitliche Bauern fordern das seit Jahren! Auch wenn die SPÖ-Gesundheitsministerin durch den Fipronil-Skandal scheinbar zur Einsicht kam, hoffen wir, dass es sich dabei nicht um einen Wahlkampf-Schmäh handelt. Aktuell kann nur auf Grund von Handelsströmen vermutet werden, wo die verarbeiteten Produkte produziert wurden. Quasi nach dem Zufallsprinzip werden dann Stichproben untersucht. Wir dürfen uns das nicht länger gefallen lassen! Werden Grenzwerte überschritten, muss es möglich sein, sämtliche betroffene Produkte sofort aus dem Handel zu ziehen!“, so LAbg. Franz Graf, Obmann der Freiheitlichen Bauern OÖ.