Menschen, besonders Kindern, ein Thema mit dem sie nicht vertraut sind in einfachen, klaren Worten näher zu bringen, ist eine hohe Kunst. Die AMA hat sich darin versucht und ist kläglich gescheitert: Die Nutztierhaltung und die Fleischproduktion sollte in einem Kinderbuch mit dem Titel „Fleisch, woher kommst denn du?“ einfach veranschaulicht werden. Die AMA fordert von den Bauern höchste Professionalität, doch selbst scheinen sie dazu nicht in der Lage zu sein.

Der Autor des „AMA-Büchleins“ ist der Märchendichter Volke Tegetthoff. Worte die der Autor wählte, um die Fleischproduktion kindgerecht zu erklären, waren beispielsweise: „Um ein gutes Stück Fleisch zu werden, müssen wir Rinder auf der Wiese stehen. Wir müssen im Stall gutes Futter fressen. Klares Wasser trinken und viel frische Luft einatmen. Und jetzt mache ich mich mit meinen Kollegen auf den Weg! Aber Du musst nicht traurig sein, denn wir werden uns sicher wieder sehen.“

Das „Werk“ könnte man auch als eine Steilvorlage für den „Verein gegen Tierfabriken“ bezeichnen. Dieser reagierte prompt: „Tiere entscheiden sich nicht freiwillig dazu, von den Menschen genutzt und getötet zu werden. Kindern zu vermitteln, dass die Tiere glücklich über dieses Leben wären, ist schlichtweg falsch“, so die Kritik des Vereins, der es vermutlich lieber sehen würde, wenn die Nutztierhaltung in einen Streichelzoo verwandelt werden würde.

„Pädagogische Katastrophe“

„Das Buch ist eine pädagogische Katastrophe“ oder „Mit solchen Aktionen schadet ihr uns Bauern eher, als das uns geholfen wird“ sind Reaktionen, die auf der Facebook-Seite der AMA hinterlassen wurden. Auf den Kommentar eines Nutzers, dass es auch andere Wege gäbe, den Inhalt zu vermitteln, antwortete das AMA-Team: „Danke, wir arbeiten daran“. Der „Werberat“ sprach schließlich die Aufforderung zum sofortigen Stopp der Kampagne aus. Die Begründung: Die Werberäte sind der Auffassung, dass „durch die gewählte textliche/bildliche Darstellung ein verharmlosendes Bild der Fleischproduktion an sich und im Speziellen einer Schlachtung vermittelt und damit die kindliche Vorstellungsfähigkeit eindeutig überfordert wird.“ Der Geschäftsführer der AMA-Marketing, Dr. Michael Blass, reagierte darauf: „Mit Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass der Versuch, den Weg vom Tier zum Fleisch kindgerecht zu erklären, nicht erfolgreich war und von relevanten Teilen der Medien und der Öffentlichkeit kritisch wahrgenommen wird.“

Die bereits gedruckten Bücher sollen der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden, bereits versandte Ansichtsexemplare sollen zurückgeholt werden. Seit Menschengedenken ist die Nutzung von Tieren für die menschliche Ernährung etwas Natürliches. Die „Wachsen oder Weichen“-Politik der EU wurde vom Bauernbund stets als Fortschritt verkauft.

Anbiederung an den Weltmarkt

Die Anbiederung an den Weltmarkt, die die Intensivierung zur Folge hatte, die sinkenden Preise und die Veränderung des Ernährungsverhaltens, all das hat nicht nur die Landwirtschaft dramatisch verändert. Gleichzeitig hat sich auch in der Bevölkerung das Verständnis und die Wertschätzung für die Landwirtschaft reduziert. Nun ist es notwendig geworden, etwas Natürliches erklären und bewerben zu müssen.

Und nicht einmal dazu scheinen die Spezialisten der AMA in der Lage zu sein. Es stellt sich die Frage, ob die Endfassung des „Büchleins“ jemals von Verantwortungsträgern kritisch begutachtet wurde und wieviel Geld dafür verschwendet wurde.