Um mindestens 1,5 Millionen Euro sollen eine 30-Jährige sowie ihr 44-jähriger Lebensgefährte bedürftige Behinderte, das Land Oberösterreich und den Steuerzahler über einen Freistädter Sozialverein geprellt haben.

Dabei wurden offenbar über Jahre hinweg primitiv gefälschte sowie überhöhte Rechnungen an das Land Oberösterreich weiterverrechnet. Förderungen aus dem Sozialressort sollen stark reduziert oder sogar gar nicht an die Bedürftigen weitergegeben worden sein. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen das mutmaßliche Betrüger-Paar eingeleitet.

Kritiker des von der SPÖ-Landesrätin Birgit Gerstorfer geführten Sozialressorts sehen darin eine erneute Bestätigung für mangelhafte Geldmittel-Kontrolle im Ressort. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) hat mittlerweile eine interne Revision des Landes eingeleitet. Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Manfred Haimbuchner (FPÖ) erklärt den Fall zum „Beweis dafür, dass im SPÖ-geführten Ressort offenbar die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut.“ Haimbuchner führt an, dass hingegen in dem von ihm geführten Wohnbauressort allein durch das Abstellen von Missbrauch bei der Wohnbeihilfe zwei Millionen Euro an Steuergeldern hätten gerettet werden können. Hinzu kommt: ÖVP und FPÖ werfen Gerstorfer vor, den massiven Sozialbetrug für lange Zeit „geheim gehalten“ zu haben. „Der Verdacht liegt nahe, dass Birgit Gerstorfer den Skandal wegen der Nationalratswahl und vor allem jetzt wegen der aktuellen sozialpolitische Debatte bewusst nicht öffentlich gemacht hat“, kritisiert ÖVP-Sozialsprecher Wolfgang Hattmannsdorfer.

Diese betont jedoch, Stelzer habe bereits seit Wochen davon gewusst. FPÖ-Klubobmann Herwig Mahr fragt sich nun: „Ist das nur die Spitze des Eisbergs?“ Stelzer hat Gerstorfer nun auch einen eigenen „Aufpasser“ zur Seite gestellt – den Ex-Geschäftsführer des Landesholding Dieter Widera. Dieser soll die Vergabe einzelner Geldmittel unter die Lupe nehmen und Stelzer akribisch Bericht erstatten.