Kaum ein Thema wird in den vergangenen Jahren so emotional diskutiert wie das Wiederauftreten des Wolfes. Naturschutz versus Geschädigte scheint hier die einfache Formel zu lauten.

Während viele Naturschutzverbände die Rückkehr des Wolfes in unsere Kulturlandschaft begrüßen, klagen geschädigte Landwirte über die Schäden etwa bei ihren Nutztieren. Die Diskussion verläuft oftmals wenig sachlich, der Wolf wird geradezu zur „Glaubensfrage“ erklärt.

Befürworter der Wolfsansiedlung sprechen davon, dass der Wolf keine Schäden verursacht und auch keine Gefahr für den Menschen darstelle. Man spricht hier gern von irrationalen Ängsten der Menschen. Der Wolf gehöre zu unserer Natur und für Schafe etwa führe der Wolf sogar zu einer besseren Haltung, da dadurch vermehrt Herdenschutz betrieben werde. Oft wird von dieser Seite auch mit mehr Vielfalt in der Natur argumentiert.

Als großer Beutegreifer fresse er Rehe, Wildschweine und Hirsche und jage bevorzugt alte und kranke Tiere. In unseren Wäldern gäbe es zu viel Schalenwild, Verbissschäden behinderten die Entwicklung des Jungwaldes. Der Wolf würde helfen, das Schalenwild entscheidend zu dezimieren. Gegner der Wolfsansiedlung entgegnen dem gegenüber, dass Wölfe vor allem von Städtern und Teilen des Naturschutzes verharmlost, verniedlicht, teilweise vergöttert würden. Dass sie Raubtiere sind, würde verdrängt.

Große Teile Österreichs seien eben keine Wildnis, sondern eine Kulturlandschaft. Man wisse noch gar nicht gesichert, wie sich große Beutegreifer in dieser Umgebung verhalten. Noch lebten Wölfe in dünn besiedelten Gegenden, wie etwa Truppenübungsplätzen und hätten dort kaum Kontakt mit Menschen. Die Frage, wie sie sich verhalten, wenn sie in dichter besiedelte Bereiche vordringen, sei unbeantwortet.

Da Wölfe sehr anpassungs- und lernfähig seien, würden sie sehr schnell erkennen, dass Schafe und andere Weidetiere eine leichte Beute sind und würden bevorzugt diese Tiere reißen. Der Tenor hier ist klar: wenn sich die Gesellschaft eine Wiederansiedlung des Wolfes leisten wolle, dann müssten Schäden auch durch die Allgemeinheit ausgeglichen werden und nicht durch den betroffenen Landwirt. Beide Seiten haben ihre Standpunkte klargemacht. Nun steht die Politik vor der großen Herausforderung, eine Lösung zu erarbeiten, die im Sinne der Allgemeinheit liegt.