Inmitten einer idyllischen Landschaft mit grünen Wiesen, Blumen, Bergen und Bächen steht eine glückliche Kuh. Das ist das Bild der Milchwirtschaft, wie es dem Konsumenten verkauft wird. Doch wie ist die Realität? Wie funktioniert das System? Der Südtiroler Filmemacher Andreas Pichler geht in seinem neuen Dokumentarfilm „Das System Milch“ dieser Frage auf den Grund und zeigt Alternativen auf.

Das Etikett auf der Verpackung von Milchprodukten hat in vielen Fällen mit der Realität der Produktionsbedingungen wenig zu tun. Das ist den meisten Konsumenten insgeheim klar. Doch das Gefühl, dass man als Einzelner nichts am System ändern könne, löst bei vielen vermutlich, zum eigenen Schutz des Wohlbefindens, einen Verdrängungsmechanismus aus. Dabei ist der Kunde doch eigentlich „König“ und könnte mit seinem Kaufverhalten einiges bewirken. Um ein System ändern zu können, muss man es zunächst verstehen und sich damit auseinandersetzten.

Die Doku „Das System Milch“ liefert dafür einen wertvollen Beitrag. Der 100 Milliarden Euro schwere Milchmarkt, der überwiegend in der Hand von multinationalen Großkonzernen ist, wird dafür von Andreas Pichler unter die Lupe genommen. Es werden verschieden große Milchviehbetriebe gegenübergestellt und die Macht der großen Molkereien, als auch des europäischen Bauernverbandes (COPA) und der EU skizziert. Die entscheidenden Schnittstellen zwischen Produzenten und Konsumenten seien die Molkereien, die als die mächtigsten Akteure auf dem Milchmarkt gelten. Die Aussage des Marketing-Chefs von Friesland Campina macht deutlich, in welche Richtung die Reise für die Konzerne gehen muss: „Es ist wie bei Darwin: Wer sich nicht weiterentwickelt, stirbt. Wir müssen uns also ständig verändern und wachsen, um innovativ zu bleiben und weiter investieren zu können. Wenn das Wachstum stagniert haben wir ein großes Problem.“

Der Regisseur zeigt außerdem auf, welche Umweltprobleme mit dieser Geisteshaltung verbunden sind und wie das billige Milchpulver die afrikanische Landwirtschaft zerstört. Seit 2008 versuchen Bauern durch Streiks das Ruder herumzureißen. Ein Bauer aus Süddeutschland findet dazu folgende Worte: „Nach dem Streik wussten wir, es ist alles so gewollt, wie es läuft. Und es ist beabsichtigt, dass der Milchpreis nicht steigt, sondern dass der Rohstoff Milch billig ist für unsere Molkereien und für den Handel.“

Wie absurd das System tatsächlich ist, spricht schließlich eine Milchbäuerin aus, deren Familienbetrieb eine Biogasanlage mit Gülle betreibt und Strom produziert: „Mit reiner Gülle verdienen wir mehr Geld, als mit der Milch. Mit der Scheiße sozusagen. Das ist eigentlich ein Witz.“