Im September diesen Jahres hat die Handelskette Lidl in „vorauseilender Dummheit“ das Kreuz von Verpackungen retuschiert. „Der freie Bauer“ hat dazu Pfarrer Dr. Gerhard M. Wagner interviewt.

 

„Lidl“ begründete diese Aktion damit, dass man sich zur „religiösen und politischen Neutralität“ verpflichtet gefühlt habe. Was halten Sie von dieser Aktion?
Ich halte von dieser Aktion des LIDL-Supermarktes, wo man die Kuppelkreuze der Kirchen Santorins einfach wegretuschiert hat, überhaupt nichts. Zuerst hat man mit griechisch-orthodoxen Kirchengebäuden Werbung für griechische Lebensmittel betrieben, um Geld zu verdienen, dann wollte man tatsächlich ein religiöses Symbol „löschen“, um religiöse Neutralität zu wahren und Andersgläubige nicht auszuschließen. Sich als Christ in Europa öffentlich zu bekennen, scheint in Zukunft immer mehr eine Mutprobe zu werden, weil die Zeichen des christlichen Heils immer weniger verstanden und akzeptiert werden, obwohl Jesus Christus der einzige Erlöser ist. Das Kreuz ist eine Ermutigung, ein Zeichen der Befreiung und die Bestätigung, dass wir von Gott unendlich geliebt sind und an seinem Leben teilhaben dürfen.

Ein Prager Kardinal fand dazu sehr deutliche Worte: Etwas Derartiges sei eine „kulturlose und barbarische Handlung“. Warum hat sich, Ihrer Meinung nach, kein hochrangiger Vertreter der katholischen Kirche in Österreich öffentlich darüber empört?
Während sich der Prager Kardinal Dominik Duka über diesen „beispiellosen Akt“ empört gezeigt hat, haben sich Vertreter der Kirche in Österreich überhaupt nicht zu Wort gemeldet. Obwohl religiöse Symbole immer mehr aus dem öffentlichen Raum hinausgedrängt werden, nehmen auch unsere Bischöfe den Kampf gegen die herrschenden Tendenzen nicht auf. Sicher wäre es für die Kirche in Österreich auch an der Zeit gewesen, sich dagegen zu Wort zu melden und eine solche Aktion mit größter Entschiedenheit zurückzuweisen. Wozu soll das Salz noch gut sein, wenn es schal wird? Nur die Wahrheit verhilft zur Einheit, die trägt. Immer wieder stelle ich in unserer Zeit fest, dass viele Bischöfe und Priester lieber im sozialen Bereich etwas einmahnen als dass sie zu Glaubensthemen deutlich und kompromisslos sprechen. Wo auf die Glaubenswahrheit verzichtet wird, bleibt die Missionsarbeit der Kirche aus; in der Folge ist das Christentum nur eine Spielart verschiedener Weltauffassungen und die Lehre der katholischen Kirche als ein Angebot unter vielen, allerdings oftmals belächelt oder sogar bekämpft.

Wieviel Toleranz kann die christliche Kultur ertragen, bevor sie sich selbst verrät?
Weil Moral keine Privatangelegenheit ist, sondern öffentlich bedeutsam, sollen Christen das Evangelium verkünden, Andersdenkende und – glaubende in Liebe annehmen und gleichzeitig vermeiden, dass „Toleranz“ in „Gleichgültigkeit“ oder „Relativismus“, umschlägt. Da Christus gekommen ist, weil er uns retten will, müssen wir uns auf die Wahrheit besinnen und für die Wahrheit eintreten. Mehr als von „Wahrheit“ redet unsere moderne Kultur in einer „nachchristlichen“ Zeit von Freiheit, die allen Irrtum erlaubt und nichts endgültig anerkennt und als letzten Maßstab nur das eigene Ich gelten lässt. Es ist der Mensch, der in allzu großem Vertrauen auf die heutigen Errungenschaften sich selbst genügt und darüber hinaus nicht mehr sucht. Ich verteidige die Wahrheit des Glaubens und möchte den Menschen, der Gottes Bild und Gleichnis ist, in Liebe und Geduld ertragen, obwohl er sich anders verhält als man selbst. Tatsächlich müssen wir aus christlicher Sicht jeden Menschen tolerieren, aber nicht jedes Verhalten, den Sünder müssen wir lieben, aber die Sünde hassen. Weil ein Christentum zu Billigpreisen niemand interessiert und überzeugt, aber auch ein Kulturchristentum keinen auf Dauer wirklich begeistert, soll uns Weihnachten alle ermutigen, dass wir auf die eigenen Werte nicht verzichten, die die Menschwerdung Gottes möglich gemacht hat. Ansonsten wird vieles x-beliebig, gilt als gleichwertig und schließlich als gleichgültig. So ist ein christlich geprägtes Europa längst in großer Gefahr.

Wenn Christen im Alltag des Lebens und in der Gesellschaft ansatzweise diese christliche Kultur verwirklichen und leben, dann sind sie tatsächlich „Salz der Erde“ und „Licht der Welt. (Mt 5,13-16)

In unserer modernen Welt wird das Kreuz heutzutage gerne als Schmuckstück getragen, gleichzeitig aber aus Klassenzimmern und Gerichtssälen verbannt. Es ist gut, dass wir immer wieder darüber nachdenken, was Christen mit dem Kreuz als Zeichen verbinden. Vor allem wird nicht mehr verstanden, dass der Grund, so zu sterben, seine unermessliche Liebe zu uns Menschen war. Das Kreuz steht für den Sieg über den Tod, wie seine Liebe größer war als der Tod. Es ist die verzeihende Liebe Gottes, die grenzenlos ist.