„Dahintersein und a gscheits Equipment“ ist das Motto von Katrin Achleitner, eine Künstlerin auf der Steirischen Harmonika. Fünfmal war die selbstbewusste, junge Mühlviertlerin Staatsmeisterin im Harmonika spielen. „Der freie Bauer“ hat sie besucht…

Du warst fünfmal Staatsmeisterin im Harmonika spielen. Wie bist du auf dieses Instrument aufmerksam geworden?
Das war eigentlich durch einen Zufall. Wir sind daheim drei Schwestern. Meine Mutter hat mit uns immer viel gesungen. Meine älteste Schwester wurde eines Tages von ihrer damaligen Volkschullehrerin gefragt, ob sie Akkordeon lernen möchte. Das hat sie auch gemacht und ab dieser Zeit war ein Akkordeon im Haus. Dann hat auch die zweite Schwester begonnen zu spielen. Ich bin immer gerne bei Auftritten meiner Schwestern mitgefahren und habe ihnen zugehört. Schließlich habe auch ich begonnen Akkordeon zu spielen und hatte mit sechs Jahren bereits meinen ersten Auftritt. Ich bin sozusagen reingewachsen. Auf die Steirische Harmonika bin ich erst später gekommen.

Was fasziniert dich an der Steirischen
Harmonika?
Im Gegensatz zum Akkordeon spielt man mit der Steirischen mehr Volksmusik und eher weniger weltliche Musik. Die Steirische ist ein traditionelles, österreichisches Instrument, auf dem man auch hauptsächlich österreichische Musik spielen sollte. Mir liegt eben dieser Musikstil sehr am Herzen und deshalb habe ich mich auch letztendlich für die Steirische entschieden. Aber ich spiele auch gerne zur Abwechslung mal eine andere Musikrichtung. Als ich bei „Die große Chance“ mitgemacht habe, habe ich zum Beispiel Lieder von Falco und Mozart gespielt. Es war interessant zu beobachten, wie die Zuseher verwundert waren und große Augen machten, weil sie diese Musik von der Steirischen nicht erwartet hatten. Für mich war das ein Beweis dafür, dass die Steirische unterschätzt wird. Mich fasziniert auch die Technik und der Klang des Instruments und ich bin immer wieder aufs Neue begeistert was man damit alles machen kann.

Hast du ein musikalisches Vorbild?
Ja, meine Schwester Andrea. Als mein damaliger Musiklehrer aufgehört hat, hat sie mich weiter unterrichtet. Ich spiele auch heute noch sehr gerne mit ihr gemeinsam.
Welchen Einfluss hat, deiner Meinung nach, das Erlernen eines Instrumentes auf die Entwicklung eines Kindes?
Ein Instrument bereits in jungen Jahren zu lernen ist bestimmt für die Gehirnentwicklung sehr förderlich. Einen Rhythmus zu entziffern ist eigentlich Mathematik. Aber auch das Gefühl ist gefordert. Man lernt sich auszudrücken, denn auch Musik ist eine Sprache. Und nicht zu vergessen ist der soziale Aspekt. Man spielt mit anderen zusammen, man hat Auftritte und lernt sich so zu präsentieren.

Glaubst du, dass in der schulischen Ausbildung die Musik etwas stiefmütterlich behandelt wird?
Ja, ich denke schon. Man kann Musik in der Schule eigentlich immer und überall, in jedem Fach, einbauen. Als Volksschullehrerin merke ich selbst, wenn ich Inhalte mit Liedern kombiniere, dann merken sich die Kinder den Lernstoff leichter. Doch auch Lernen in Kombination mit Bewegung ist sehr förderlich. Allgemein kann man sagen, dass kreative Tätigkeiten und auch Sport für die Entwicklung von Kindern sehr wichtig sind und sich positiv auf das Lernverhalten, die Konzentration und die Ausdauer auswirken. Außerdem wäre ich dafür, dass Schulfächer wie Zeichnen, Werken, Turnen und Musik nicht benotet werden sollten. Denn wie soll ich einen Schüler benoten, der weniger Talent zum Singen und für den Rhythmus hat, es ihm aber trotzdem sehr viel Spaß macht? Ich sehe dabei die Gefahr, dass man einem Kind dadurch die Freude an der Kreativität und der Bewegung nimmt, die es eigentlich dringend brauchen würde.

Wenn du an deine Kindheit denkst, welches Erlebnis fällt dir spontan ein?
Als wir noch klein waren und noch nicht lesen konnten, hat uns meine Mutter oft Lieder vorgesungen und wir haben dann die Texte auswendig gelernt. Wenn dann Besuch kam, haben wir die Liederbücher aufgeschlagen und gesungen. Es sah dann so aus als könnten wir schon lesen und der Besuch war begeistert.

Was bedeutet Musik für dich?
Musik ist für mich ein Gefühl, das man auf verschiedenste Art und Weise ausdrücken kann. Ein Gefühl, das man auch anderen Menschen übermitteln kann. Musik bedeutet gute Stimmung und lachende Gesichter. Für mich persönlich ist Musik ein Weg um abzuschalten und auch um Kraft zu tanken. Musik kann auch die Stimmung und den Gemütszustand verändern. Darum gibt es auch viele Musiktherapien, für Kinder als auch für ältere Menschen. Ich durfte einmal eine Palliativstation besuchen und beobachten, wie mit Hilfe von Musik die Stimmung der alten Menschen positiv beeinflusst wird. Es war beeindruckend und eine großartige Erfahrung.

Was sagst du Leuten, die in der Jugend kein Instrument gelernt haben, jetzt aber auf den Geschmack kommen, aber denken, dass es doch zu schwierig sein könnte?
Ich kenne ganz viele Erwachsene, die erst im Erwachsenenalter ein Instrument gelernt haben. Viele fangen damit auch erst in der Pension an und haben unglaublichen Spaß daran. Und genau darum geht es in der Musik: Spaß zu haben! Man spielt hauptsächlich für einen selbst und Musik soll auch einem selbst guttun. Auch wenn der Fortschritt nicht so schnell ist wie bei einem Kind, davon soll man sich nicht entmutigen lassen. Außerdem ist es ein sinnvolles Gehirntraining.