Seit 1945 bis Dezember 2017 gab es 16 Landwirtschaftsminister. Zwölf Minister gehörten der ÖVP an, einer war parteilos und drei waren von der SPÖ. Quasi im Alleingang dirigierte die ÖVP seit der Gründung der Zweiten Republik die Landwirtschaft. Mit Elisabeth Köstinger lenkt nun seit 18. Dezember 2017 die erste Frau in der Geschichte des Ministeriums die Geschicke der Landwirtschaft.

Die gebürtige Kärntnerin war zuvor von 2009 bis 2017 Abgeordnete im EU-Parlament. Die erste große Veränderung in der noch jungen Amtszeit wurde bereits am 8. Jänner umgesetzt: Das Ministerium wurde umgetauft. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft heißt fortan Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus. „Wir haben das Landwirtschaftsministerium mit dem Nachhaltigkeitsbereich und dem Tourismus aufgewertet. Jetzt gilt es, diese neue Chance zu nutzen“, so Köstinger im Interview mit der Burgenländischen Volkszeitung. Die Nachhaltigkeitsministerin wirbt für Bio, will die Bürokratie reduzieren, sich für faire Preise einsetzen und für die bäuerlichen Familienbetriebe kämpfen. Ebenso setzt sie sich für die langjährige Forderung der Freiheitlichen Bauern nach einer umfassenden Lebensmittelkennzeichnung ein.

Weg von der Massenförderung

Gegenüber top agrar sagt sie: „Wir brauchen eine Veränderung in der Struktur der EU-Agrarpolitik und müssen weg von der Massenförderung sowie die Qualitätsproduktion und Vielfalt in den Vordergrund stellen. Dabei geht es darum, nicht mit den Billigsten, sondern mit den Besten zu konkurrieren. Die Ansprüche der Gesellschaft sind sehr hoch und die müssen wir erfüllen.“ Die Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert, den Rahmen dafür hat stehts die Politik geschaffen. Im Durchschnitt haben von 1980 bis 2016 in Österreich täglich zwölf Betriebe die Wirtschaft eingestellt. Angesichts der von der Landwirtschaftskammer prognostizierten Zahlen, dass bis 2025 ein weiteres Viertel der landwirtschaftlichen Betriebe aufhören wird, steht die Uhr kurz vor zwölf. Man kann nur wünschen, dass die neue Regierung eine Trendwende in der Agrarpolitik schafft und sich von der EU nicht über den Tisch ziehen lässt – damit es nicht nur bei der Namensänderung des Ministeriums bleibt.