Die Qualität, aber auch die Art der Nahrung die wir zu uns nehmen, beeinflusst unseren Körper ganzheitlich – sowohl unseren Gemütszustand als auch unsere Gesundheit. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Ernährungsverhalten der Europäer im Allgemeinen stark verändert.

„In den 1950er-Jahren waren Fleisch und auch Obst noch sehr teuer, teure Südfrüchte und Fisch kamen nur bei besonderen Anlässen auf den Speisetisch. So musste ein durchschnittlicher Industriearbeiter für ein Kilogramm Schweineschnitzelfleisch im Jahr 1980 rund 82,9 Minuten arbeiten, 2012 musste dieser dafür nur mehr 39,7 Minuten Arbeitszeit leisten“, schreibt das Landwirtschaftsministerium im Jahr 2013 im Lebensmittelbericht. Laut Ministerium wurden im Jahr 1955 pro Kopf 47,3 kg Fleisch verbraucht. Im Jahr 2016 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 96,9 kg (Statistik Austria), wobei davon 64,8 kg tatsächlich verzehrt wurden. In den vergangenen 60 Jahren hat sich der Verbrauch von Fleisch mehr als verdoppelt, doch die Tendenz ist seit einigen Jahren sinkend. Das Lieblingsfleisch des Österreichers ist nach wie vor das Schweinefleisch, gefolgt von Geflügel und Rind-und Kalbfleisch.

Fleischkonsum steigt

Blickt man über den Tellerrand der Republik, dann zeigt sich folgendes Bild: ein Weltenbürger verbraucht im Durchschnitt etwa 42 kg Fleisch. Die Tendenz ist stark steigend, denn die Schwellenländer sind ebenfalls auf den Geschmack von Fleisch gekommen. Welche Folgen dieser Hunger verursachen wird, wird sich zeigen.
Das Gesundheitsministerium empfiehlt maximal drei Portionen Fleisch oder Wurstwaren pro Woche zu sich zu nehmen, das entspricht einer Menge von 300-450 g pro Woche. Im Durchschnitt isst der Österreicher jedoch etwa 1,3 kg Fleisch pro Woche. Auch wenn der Fleischkonsum in Österreich leicht rückläufig ist, so wie auch in einigen anderen europäischen Staaten, essen wir dennoch durchschnittlich mehr als dreimal so viel, als empfohlen.
Seit 1955 ist auch der Konsum von Zucker gestiegen. Der Konsum von Käse hat sich verfünffacht und der von Gemüse ist um drei Viertel gestiegen. Dafür isst man heutzutage weniger Getreide und Kartoffeln. Doch die Ernährung hat sich auch auf einer anderen Ebene verändert: Unsere Lebensmittel werden zunehmend „technisiert“. Die Arbeiterkammer OÖ schreibt dazu in einer Broschüre: „Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten möchten sich gesund ernähren. Dass dies nicht gerade einfach ist, merken sie bei jedem Einkauf. Durch die zunehmende Technisierung der Produktion muss man verstärkt auf Lebensmittelzusatzstoffe achten.“
Während die Bauern um gerechte Preise für Grundnahrungsmittel kämpfen, wächst ein besonderes Marktsegment stetig an: Convenience-Produkte, sogenannte Halbfertig- oder Fertiggerichte (engl.: convenience = Bequemlichkeit). Viele von Beruf und Freizeit gehetzte Menschen setzen auf den Trend des „Bequemen Essens“. Doch tun wir uns damit wirklich etwas Gutes?

Zu viel Zucker

Je intensiver ein Lebensmittel verarbeitet wurde umso mehr Zusatzstoffe, Zucker, Salz und Fette sind darin enthalten. „In Europa stecken ca. 70 bis 75% des verbrauchten Salzes in verarbeiteten Lebensmitteln oder anderen Produkten der Nahrungsmittelindustrie, über die die Verbraucher keine Kontrolle haben“, so das Gesundheitsministerium. Auch Zucker ist in Fertigprodukten und Limonaden in großen Mengen „versteckt“. Im Jahr 2015/16 konsumierte der durchschnittliche Österreicher 33,2 Kilogramm Zucker im Jahr, das entspricht etwa 90 Gramm pro Tag. Empfohlen wird eine maximale tägliche Aufnahme von nur 25-50 Gramm. Wir nehmen demnach mehr als doppelt so viel Zucker wie empfohlen zu uns.
Zuviel Zucker, Salz und Fett verursachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. „Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen weltweit zu den häufigsten Krankheiten. In den westlichen Ländern sind sie mit rund 45 Prozent und in den Entwicklungsländern mit rund 25 Prozent aller Todesfälle die häufigste Todesursache“, so das Gesundheitsministerium. „Alle 50 Minuten stirbt in Österreich ein Mensch an den Folgen von Diabetes“, so die Österreichische Diabetes Gesellschaft. 85 bis 90 Prozent aller Diabetiker seien Typ-2-Diabetiker, Ursache dafür ist hauptsächlich der Lebensstil und eine Fehlernährung. Viele Menschen essen sich demnach krank, vermutlich ohne es zu wissen.
Die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Oberösterreich haben Fertigprodukte hinsichtlich Kosten und Zeit unter die Lupe genommen: Sie haben verschiedene Fertiggerichte frisch nachgekocht und kamen zum Schluss, dass alle Fertiggerichte teurer kamen als die frische Zubereitung, die Kochzeit lag bei nur 15 bis 45 Minuten. Das Marketing der Lebensmittelindustrie hat offensichtlich gute Arbeit geleistet, denn für geringere Qualität sind Menschen heute bereit, doppelt so viel zu bezahlen und haben dabei auch noch das Gefühl, sich etwas gespart zu haben.

„Eine Wissenschaft“

So wie es Menschen gibt, die sich kaum Gedanken über Ernährung machen, gibt es auch jene, für die Ernährung zur Ideologie geworden ist. „Radikalisierung der Ernährung schreitet munter voran“, titelte die deutsche Ärztezeitung kürzlich. Extreme, einseitige Ernährungstrends nehmen demnach zu. Professor Hans Hauner vom Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München meint: „Hier steht oft eine Ideologie im Vordergrund, die man nicht mit rationalen Argumenten beseitigen kann.“ Absurd und interessant zugleich ist jedenfalls, dass billiger Analogkäse, der noch von Kurzem einen Skandal auslöste, heute als teures Edelprodukt für Veganer verkauft wird. „Im Maße liegt die Ordnung“, sagte der Priester und Naturheilkundler Sebastian Kneipp. In diesem Spruch liegt viel Wahrheit.