„Wir wollen den strukturellen Erhalt der Betriebe in Österreich“

VZBGM. Dr. Arthur Kroismayr

Arthur Kroismayr: Landwirte leisten wertvolle Arbeit für das Ökosystem und damit für alle Menschen

Anlässlich der Wahl von Dr. Arthur Kroismayr zum stellvertretenden Landesobmann der Freiheitlichen Bauernschaft Oberösterreich am letzten Landesagrartag sprach „Der freie Bauer“ mit dem landwirtschaftlichen Ziviltechniker und Vizebürgermeister von Regau.

Sie sind studierter Agrarwissenschaftler und arbeiten als Nebenerwerbslandwirt und landwirtschaftlicher Ziviltechniker. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Landwirtschaft in den kommenden Jahren?
Aufgrund der teuren Produktionsbedingungen in unserem Land, ist es natürlich schwierig preislich mit dem Weltmarkt zu konkurrieren. Zusätzlich steigt der Druck seitens NGOs und Lebensmitteleinzelhandel immer noch höhere Produktionsstandards einzuführen. Die größte Herausforderung wird daher sein den Konsumenten klarzumachen, dass österreichische Spitzenqualität zum Diskounter – Preis etwas grundsätzlich Widersprüchliches ist.
Überhaupt müssen wir Bauern den Menschen viel mehr klar machen welch wertvolle Arbeit wir für die Menschheit und vor allem für das Ökosystem leisten. In der aktuellen Diskussion hat man den Eindruck die Landwirtschaft sei mehr ein Störfaktor (Stichwort „Klimasünder“, Tierwohl, etc.) für die Menschheit obwohl sie in Wahrheit deren Überleben sichert.


Welche Maßnahmen muss eine künftige Bundesregierung in der Agrarpolitik setzen, damit die kleinstrukturierte Landwirtschaft in Österreich eine Zukunft haben kann?
Eine Bundesregierung sollte sich nicht nur zu einer flächendeckenden Landwirtschaft, sondern vielmehr zum strukturellen Erhalt der Betriebe bekennen und daraus Maßnahmen ableiten. „Wachsen oder Weichen“ – wie es propagiert worden ist, führt insgesamt zu einer Schwächung der Landwirtschaft und auch der vor- und nachgelagerten Produktion. Dadurch leidet der ländliche Raum. Eine neue Bundesregierung sollte ein „Betriebserhaltungsprogramm“ etablieren und den Ausbau landwirtschaftlicher Genossenschaften (siehe z.B. Frankreich oder Skandinavien wo Bauern bei der Endvermarktung ihrer Produkte mitbestimmen können) massiv unterstützen. Bauern sollen das Schicksal ihrer Betriebe selbst in die Hand nehmen können und weniger von Vermarktungsmultis abhängig sein.


Immer wieder sehen bestimmte Medien und Politiker einen Gegensatz zwischen konventioneller und Bio-Landwirtschaft. Wie ist Ihre Position dazu?
Auch mir wurde von einem Medium vorgeworfen ich sei ein Bio-Gegner. Das ist totaler Blödsinn. Wichtig ist, dass Bio und konventionelle Landwirtschaft nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir müssen besonders aufpassen, dass NGOs und Lebensmitteleinzelhandel nicht weitere Standards auf Kosten der Landwirtschaft installieren (Stichwort: „So weit muss Bio gehen“) nur um Marketingkonzepte umsetzen zu können. Anstatt Marketingblasen müssen seriöse Wissenschaft und echte Experten sinnvolle Konzepte für beide Produktionsarten weiterentwickeln. Ich bin sicher, dass beide Produktionsweisen voneinander lernen können.


In der Öffentlichkeit wird aktuell über Pflanzenschutzmittel diskutiert. Wie sehen Sie diese Diskussion – auch im Zusammenhang mit dem Erhalt der Ernährungssicherheit?
Pflanzenschutzmittel sind durch die mediale Berichterstattung völlig in Verruf gekommen. Mit medialer Unterstützung werden seriöse Wissenschaftler teils von selbsternannten Experten heruntergemacht. Die Politik ist aus Angst vor medialer Schelte völlig in Deckung gegangen. Dies schadet nicht nur der Landwirtschaft sondern auch den Konsumenten weil die Versorgungssicherheit mit qualitativ hochwertigen und sicheren Produkten dadurch eingeschränkt werden kann. Medien und Politik sind hier in der Verantwortung endlich eine seriöse Diskussion in der Öffentlichkeit zuzulassen und auch jene Experten und Wissenschaftler zu Wort kommen zu lassen die nicht unbedingt dem Mainstream entsprechen aber dafür Ahnung von der Sache haben. Die Rolle mancher NGO in dieser Frage sehe ich als sehr kritisch.


Sie sind seit Mai 2018 neuer Vorsitzender des AGES-Aufsichtsrates. Wie lautet Ihre bisherige Bilanz?
Als Aufsichtsrat bin ich nicht für operative Dinge zuständig und möchte mich deshalb auch nicht dazu äußern. Aber ich darf voller Stolz sagen, dass die AGES eine echte Erfolgsgeschichte ist und einen enorm wichtigen Beitrag zur Gesundheit und Ernährungssicherheit der Menschen in diesem Land leistet. Die AGES ist ein Musterbeispiel für seriöse und fortschrittliche Arbeit zum Wohle der Menschen. Die Agentur wird auch in Zukunft ihrer Rolle als unabhängige Experten- und Kontrollorganisation nachkommen und diese ausbauen. Ich würde mir wünschen, dass in medialen Diskussionen mehr auf die unabhängigen Experten dieses Hauses gehört werden würde.

VZBGM. Dr. Arthur Kroismayr Agrarziviltechniker

Er studierte Agrarwissenschaften und Tierernährung an der BOKU in Wien und erlangte 2007 seinen Doktorgrad. Seit 2015 ist Kroismayr Oberösterreichs einziger selbstständiger Ziviltechniker im Agrarbereich.
Seit 2018 ist er auch Aufsichtsratsvorsitzender der AGES.
Im Jahr 2015 wurde Kroismayr Vizebürgermeister in Regau und ist Bezirksparteiobmann-Stellvertreter der FPÖ Vöcklabruck.